LAN-Kabel mit RJ45

LAN-Kabel mit RJ45: Die komplette Übersicht

Twisted-Pair-Netzwerkkabel von Cat1 bis Cat8: Kategorien, Schirmung, Aufbau, Belegung, Farben, Ethernet- und PoE-Standards, Installation und Kaufempfehlungen.


Inhalt

  1. Grundlagen
  2. Alle Kategorien von Cat1 bis Cat8
  3. Kategorie vs. Klasse (ISO/IEC 11801)
  4. Ethernet-Standards über Twisted Pair
  5. Schirmung
  6. Kabelaufbau und Kabelarten
  7. Aufdruck auf dem Kabel richtig lesen
  8. Stecker: RJ45 / 8P8C und Verwandte
  9. Belegung: T568A, T568B, Crossover
  10. Haben Farben eine Bedeutung?
  11. Power over Ethernet (PoE)
  12. Installation und Praxis
  13. Messen und Testen
  14. Vorgänger: Koaxial-Ethernet
  15. Glossar
  16. Kaufempfehlungen

1. Grundlagen

  • Twisted Pair (TP): Ein LAN-Kabel besteht aus 4 Aderpaaren (8 Adern). Die beiden Adern eines Paares sind miteinander verdrillt. Das Signal wird differenziell übertragen, und durch die Verdrillung heben sich Störungen gegenseitig weitgehend auf.
  • Jedes Paar hat eine eigene Schlaglänge (Verdrillungsdichte), damit sich die Paare untereinander weniger stören (Übersprechen).
  • Wellenwiderstand (Impedanz): 100 Ω bei allen gängigen Kategorien.
  • Maximale Länge: 100 m pro Strecke, aufgeteilt in 90 m festes Verlegekabel und 10 m Patchkabel insgesamt (für beide Enden zusammen).
  • „RJ45“ ist umgangssprachlich. Korrekt heißt der Stecker 8P8C (8 Positionen, 8 Kontakte). In Deutschland sagt man auch „Westernstecker“.

2. Alle Kategorien von Cat1 bis Cat8

Übersichtstabelle

Kategorie Bandbreite Typische Anwendung / Datenrate Status
Cat1 keine Vorgabe (Sprache) Analoge Telefonie, Türklingel, ISDN-Basisanschluss historisch, nie offiziell von TIA genormt
Cat2 ca. 1 MHz bis 4 Mbit/s (IBM Token Ring 4 Mbit) historisch, nie offiziell von TIA genormt
Cat3 16 MHz 10 Mbit/s Ethernet (10BASE-T), 100BASE-T4, Telefonie veraltet, in alten Gebäuden noch für Telefon
Cat4 20 MHz 16 Mbit/s Token Ring veraltet, praktisch ausgestorben
Cat5 100 MHz 100 Mbit/s (100BASE-TX), eingeschränkt 1 Gbit/s veraltet, 2001 durch Cat5e ersetzt
Cat5e 100 MHz 1 Gbit/s, oft 2,5 Gbit/s, teils 5 Gbit/s Minimum für heute
Cat6 250 MHz 1 Gbit/s, 10 Gbit/s bis ca. 37–55 m verbreitet
Cat6a 500 MHz 10 Gbit/s bis 100 m heutiger Standard
Cat7 600 MHz 10 Gbit/s nur ISO, nicht für RJ45 genormt
Cat7a 1000 MHz 10 Gbit/s (Reserve für mehr) nur ISO, nicht für RJ45 genormt
Cat8 / 8.1 2000 MHz 25 und 40 Gbit/s bis 30 m Rechenzentrum, RJ45-kompatibel
Cat8.2 2000 MHz 25 und 40 Gbit/s bis 30 m Rechenzentrum, andere Steckgesichter

Die Kategorien im Detail

Cat1 und Cat2: Die Telefon-Ära

Diese Bezeichnungen stammen ursprünglich aus einem Klassifizierungssystem des US-Kabelhändlers Anixter (damals „Levels“) und wurden nie Teil der TIA/EIA-Norm. Cat1 war einfaches Sprachkabel, Cat2 schaffte bis zu 4 Mbit/s für frühe Token-Ring-Netze. Heute ohne Bedeutung.

Cat3: Das erste „echte“ Netzwerkkabel

Mit der ersten TIA/EIA-568-Norm (1991) genormt. Bis 16 MHz, ausreichend für 10BASE-T (10 Mbit/s). Mit allen vier Paaren ging über 100BASE-T4 sogar 100 Mbit/s, was sich aber nie durchgesetzt hat. Liegt in älteren Bürogebäuden oft noch als Telefonverkabelung in der Wand.

Cat4: Kurzes Zwischenspiel

20 MHz, gedacht für 16 Mbit/s Token Ring. Wurde schnell von Cat5 überholt.

Cat5: Der Durchbruch von Fast Ethernet

100 MHz, eingeführt für 100BASE-TX (100 Mbit/s). Gigabit Ethernet wurde zwar so entwickelt, dass es theoretisch über Cat5 läuft, in der Praxis empfahl man aber Cat5e. Cat5 wurde 2001 aus der Norm genommen.

Cat5e: Das „enhanced“ Cat5

Gleiche 100 MHz, aber strengere Grenzwerte für Übersprechen (NEXT, FEXT) und Rückflussdämpfung. Zuverlässig für 1 Gbit/s. Mit dem Standard IEEE 802.3bz (2016) sind auf Cat5e auch 2,5 Gbit/s und unter guten Bedingungen 5 Gbit/s möglich. Für kurze Patchkabel zu Hause immer noch brauchbar.

Cat6: Mehr Reserve

250 MHz. Oft mit einem Kunststoff-Kreuzsteg (Spline) im Inneren, der die Paare auf Abstand hält. 10 Gbit/s ist nur auf kurzen Strecken möglich (je nach Umgebung ca. 37–55 m), weil das Übersprechen zwischen benachbarten Kabeln (Alien Crosstalk) zum Problem wird.

Cat6a: Der heutige Sweet Spot

500 MHz („a“ = augmented). 10 Gbit/s über die vollen 100 m. Meist geschirmt oder sehr dick, um Alien Crosstalk zu verhindern. Die Komponenten (Dosen, Patchfelder, Stecker) für 10-Gigabit-Installationen sind normalerweise Cat6a.

Cat7 und Cat7a: Die Sonderfälle

  • Nur in der internationalen Norm ISO/IEC 11801 definiert; die US-Norm (TIA) kennt Cat7 nicht.
  • Immer vollgeschirmt (S/FTP).
  • Die Norm sieht dafür nicht RJ45, sondern die Steckverbinder GG45 oder TERA vor.
  • Folge: Ein „Cat7-Patchkabel mit RJ45-Steckern“ ist technisch nur so gut wie seine Stecker, also höchstens Cat6a. Das Kabel selbst ist dann zwar besser, aber das nützt nichts.
  • Bei Verlegekabel ist Cat7/Cat7a trotzdem sehr beliebt: In Deutschland wird oft Cat7-Verlegekabel mit Cat6a-Dosen und -Patchfeldern kombiniert. Das Kabel hat dann Reserven, die Strecke ist als Cat6a bzw. Klasse EA zertifizierbar.

Cat8: Für das Rechenzentrum

2000 MHz, für 25GBASE-T und 40GBASE-T, aber nur bis 30 m (gedacht für Verbindungen innerhalb einer Serverreihe).

  • Cat8.1 (ISO Klasse I): RJ45-kompatibel, U/FTP oder F/UTP.
  • Cat8.2 (ISO Klasse II): S/FTP, mit GG45/TERA- bzw. ähnlichen Steckern.
  • Zu Hause völlig überdimensioniert. Die 25/40-Gbit-Varianten haben sich auch im Rechenzentrum kaum durchgesetzt, dort dominiert Glasfaser bzw. DAC.

3. Kategorie vs. Klasse (ISO/IEC 11801)

Ein häufiges Missverständnis: Kategorie beschreibt einzelne Komponenten (Kabel, Dose, Stecker), Klasse beschreibt die fertige Übertragungsstrecke (Link bzw. Channel).

ISO-Klasse Bandbreite Passende Kategorie
Klasse A 100 kHz –
Klasse B 1 MHz –
Klasse C 16 MHz Cat3
Klasse D 100 MHz Cat5e
Klasse E 250 MHz Cat6
Klasse EA 500 MHz Cat6a
Klasse F 600 MHz Cat7
Klasse FA 1000 MHz Cat7a
Klasse I 2000 MHz Cat8.1
Klasse II 2000 MHz Cat8.2

Merke: Die Strecke ist immer nur so gut wie ihr schwächstes Glied. Cat7-Kabel mit Cat5e-Dose ergibt eine Klasse-D-Strecke.


4. Ethernet-Standards über Twisted Pair

Standard IEEE Jahr Datenrate Genutzte Paare Mindestens Max. Länge
10BASE-T 802.3i 1990 10 Mbit/s 2 Cat3 100 m
100BASE-TX 802.3u 1995 100 Mbit/s 2 Cat5 100 m
100BASE-T4 802.3u 1995 100 Mbit/s 4 Cat3 100 m
1000BASE-T 802.3ab 1999 1 Gbit/s 4 Cat5 (Cat5e empfohlen) 100 m
2.5GBASE-T 802.3bz 2016 2,5 Gbit/s 4 Cat5e 100 m
5GBASE-T 802.3bz 2016 5 Gbit/s 4 Cat6 (Cat5e oft möglich) 100 m
10GBASE-T 802.3an 2006 10 Gbit/s 4 Cat6a (Cat6 bis ca. 55 m) 100 m
25GBASE-T 802.3bq 2016 25 Gbit/s 4 Cat8 30 m
40GBASE-T 802.3bq 2016 40 Gbit/s 4 Cat8 30 m

Gut zu wissen:

  • 10 und 100 Mbit/s nutzen nur die Pins 1, 2, 3 und 6 (Paare orange und grün). Deshalb funktionierten früher Tricks wie „zwei Anschlüsse über ein Kabel“ oder Kabel mit nur 4 Adern.
  • Ab 1 Gbit/s werden alle 8 Adern benötigt, und zwar bidirektional auf allen Paaren gleichzeitig.
  • Wenn eine Gigabit-Verbindung nur mit 100 Mbit/s läuft, ist sehr oft eine einzelne Ader beschädigt oder falsch aufgelegt.

5. Schirmung

Die Bezeichnung X/YTP

Nach ISO/IEC 11801 gilt das Schema X/YTP:

  • X (vor dem Schrägstrich) = Gesamtschirm um alle Paare
  • Y (nach dem Schrägstrich) = Paarschirm um jedes einzelne Aderpaar
  • TP = Twisted Pair
Buchstabe Bedeutung
U Unshielded, ungeschirmt
F Foil, Folienschirm (meist aluminiumkaschierte Kunststofffolie)
S Screened/Braided, Drahtgeflecht
SF Geflecht und Folie kombiniert

Alle gängigen Varianten

Bezeichnung Gesamtschirm Paarschirm Eigenschaften
U/UTP – – Günstig, dünn, flexibel. Zu Hause völlig ausreichend, Standard in den USA
F/UTP Folie – Einfacher Schutz gegen äußere Störungen
S/UTP Geflecht – Selten
SF/UTP Geflecht + Folie – Guter Außenschutz, kein Paarschutz
U/FTP – Folie Guter Schutz gegen Übersprechen zwischen Paaren, typisch für Cat6a und Cat8.1
F/FTP Folie Folie
S/FTP Geflecht Folie Sehr gut, Standard bei Cat6a/7 in Europa
SF/FTP Geflecht + Folie Folie Maximaler Schutz, dick und steif

Alte und verwirrende Bezeichnungen

Vor der einheitlichen Schreibweise wurden Begriffe uneinheitlich verwendet:

Alter Begriff Meinte meistens Problem
UTP U/UTP eindeutig
STP S/UTP oder S/FTP je nach Hersteller unterschiedlich
FTP F/UTP manchmal auch U/FTP
S-FTP / SFTP SF/UTP oder S/FTP sehr uneinheitlich
S-STP / SSTP S/FTP
PiMF S/FTP „Paare in Metallfolie“, deutscher Begriff
ScTP F/UTP „Screened Twisted Pair“

Tipp: Beim Kauf immer auf die X/YTP-Schreibweise achten.

Wann lohnt sich Schirmung?

Vorteile:

  • Schutz gegen elektromagnetische Störungen (Motoren, Leuchtstoffröhren, Stromleitungen, Industrie)
  • Weniger Alien Crosstalk, wichtig für 10 Gbit/s
  • Weniger Abstrahlung (EMV)

Nachteile:

  • Teurer, dicker, steifer, größerer Biegeradius
  • Aufwendigere Montage
  • Bringt nur etwas bei durchgängiger Schirmung: Kabel, Stecker, Dosen, Patchfeld und Erdung müssen alle geschirmt sein
  • Schlecht gemacht (Schirm nur einseitig oder gar nicht aufgelegt) kann ein Schirm sogar wie eine Antenne wirken
  • Mögliche Probleme durch Potenzialunterschiede zwischen Gebäuden (Erdschleifen); zwischen Gebäuden besser Glasfaser

Faustregel: Zu Hause reicht U/UTP meistens völlig. Für die Festinstallation in Deutschland ist S/FTP üblich und sinnvoll, wenn sauber durchgehend geschirmt montiert wird.


6. Kabelaufbau und Kabelarten

Patchkabel vs. Verlegekabel

Patchkabel Verlegekabel (Installationskabel)
Adern Litze (mehrere dünne Drähtchen, z. B. AWG 26/7) Massiver Draht (Volldraht, z. B. AWG 23/1)
Eigenschaften flexibel, biegsam steif, bessere Übertragungswerte, geringere Dämpfung
Verwendung Gerät ↔ Dose, Patchfeld ↔ Switch Fest in Wand, Kanal, Decke
Anschluss Fertig mit Steckern (konfektioniert) Auf Dosen, Patchfelder oder Keystone-Module aufgelegt (LSA)
Max. Länge insgesamt 10 m pro Strecke bis 90 m
Verkauf fertige Längen Rollen/Trommeln (z. B. 100 m, 500 m, 1000 m)

Wichtig: Normale RJ45-Crimpstecker sind meist für Litze gemacht. Für Verlegekabel gibt es spezielle Stecker oder besser feldkonfektionierbare (werkzeuglose) Stecker. Im Zweifel Verlegekabel immer auf Dosen auflegen.

Weitere Kabelarten

Typ Beschreibung
Slim-/Thin-Kabel Sehr dünn (AWG 28–30). Super im vollen Serverschrank. Aber höhere Dämpfung, kürzere Reichweite, schlechter für PoE
Flachkabel Für unter Türen und Teppiche. Paare liegen nebeneinander, meist schlechte Schirmung und Übersprechwerte
Duplex-Kabel Zwei Kabel in einem gemeinsamen Mantel (z. B. „Cat7 Duplex“). Praktisch für Doppeldosen
Outdoor-Kabel UV-beständiger PE-Mantel (oft schwarz), teils doppelter Mantel
Erdkabel Für direkte Verlegung im Erdreich, oft mit Gelfüllung oder Quellvlies gegen Feuchtigkeit
Industrie-/Schleppkettenkabel Für bewegte Anwendungen, ölbeständig, oft PUR-Mantel
Spiralkabel Selten, für bewegliche Geräte

Aderquerschnitt (AWG)

AWG = American Wire Gauge. Kleinere Zahl = dickere Ader.

AWG Durchmesser ca. Typisch für
22 0,64 mm Hochwertiges Cat7a/Cat8-Verlegekabel
23 0,57 mm Cat6a/Cat7-Verlegekabel
24 0,51 mm Cat5e/Cat6-Verlegekabel
26 0,40 mm Normales Patchkabel
28 0,32 mm Slim-Patchkabel
  • AWG 23/1 = eine massive Ader (Verlegekabel)
  • AWG 26/7 = Litze aus 7 Einzeldrähten (Patchkabel)

Mantelmaterial

Material Eigenschaften
PVC Günstig, flexibel. Brennt mit giftigen, korrosiven Gasen (Salzsäure)
LSZH / LSOH / LS0H Low Smoke Zero Halogen. Halogenfrei, raucharm. In Gebäuden oft vorgeschrieben (Fluchtwege, öffentliche Gebäude)
PE Outdoor, UV-beständig, nicht für innen (brennbar)
PUR Robust, ölbeständig, Industrie
FRNC Flame Retardant Non Corrosive, ähnlich LSZH

Brandschutzklassen (CPR)

Seit 2017 gilt in der EU die Bauproduktenverordnung (CPR) für fest verlegte Kabel. Die Klassen reichen von Aca (nicht brennbar) über B1ca, B2ca, Cca, Dca bis Eca und Fca (keine Anforderungen). Zusätzlich gibt es Unterklassen für Rauchentwicklung (s1–s3), brennendes Abtropfen (d0–d2) und Säurebildung (a1–a3).

  • Eca: Minimum für normale Wohninstallation
  • Dca / Cca: Für Büros, öffentliche Gebäude, Fluchtwege (je nach Vorschrift)

Leitermaterial: Achtung CCA!

Material Bewertung
Cu (reines Kupfer) ✅ Normgerecht
CCA (Copper Clad Aluminium, kupferkaschiertes Aluminium) ❌ Nicht normgerecht! Höherer Widerstand, bricht leicht, oxidiert, Brandgefahr bei PoE
CCS (Copper Clad Steel) ❌ Ebenso ungeeignet

Erkennungsmerkmale von CCA: auffällig billig, Aufdruck „CCA“, beim Abkratzen silbriger Kern, Kabel auffällig leicht.


7. Aufdruck auf dem Kabel richtig lesen

Beispiel eines Verlegekabels:

Cat.7 S/FTP 4x2xAWG23/1 1000 MHz LSOH CPR Eca 245 m
Teil Bedeutung
Cat.7 Kategorie
S/FTP Gesamtschirm Geflecht, Paarschirm Folie
4x2 4 Paare à 2 Adern
AWG23/1 Aderstärke 23 AWG, eine massive Ader (Verlegekabel)
1000 MHz Getestete Bandbreite (hier Cat7a-Niveau)
LSOH Halogenfreier Mantel
CPR Eca Brandschutzklasse
245 m Meterangabe, praktisch zum Abmessen der Restlänge

Beispiel eines Patchkabels:

Cat.6a S/FTP 4x2xAWG26/7 PVC

AWG26/7 = Litze aus 7 Einzeldrähten, also ein flexibles Patchkabel.


8. Stecker: RJ45 / 8P8C und Verwandte

RJ45 / 8P8C

  • RJ = Registered Jack, ursprünglich eine US-Telefonnorm. Das „echte“ RJ45S hatte sogar eine andere Codierung. Der Netzwerkstecker heißt korrekt 8P8C.
  • Ungeschirmte Stecker: komplett aus Kunststoff, für U/UTP.
  • Geschirmte Stecker: mit Metallgehäuse, das den Kabelschirm kontaktiert.
  • Mit Einführhilfe (Pass-Through): Adern werden vorne durchgesteckt, erleichtert das Crimpen.
  • Feldkonfektionierbare Stecker: werkzeuglos, auch für Verlegekabel geeignet. Gut für Fälle, in denen man direkt einen Stecker an Verlegekabel braucht (z. B. Access Point an der Decke, Kamera).
  • Knickschutz und Rastnasenschutz (gegen abgebrochene Nasen) sind bei Patchkabeln sinnvoll.

Verwandte und Verwechslungen

Stecker Aufbau Verwendung
RJ11 6P2C (6 Positionen, 2 Kontakte) Analoges Telefon
RJ12 6P6C Telefonanlagen
RJ14 6P4C Zweileitungs-Telefon
RJ45 / 8P8C 8P8C Ethernet, ISDN
RJ48 8P8C (andere Belegung) E1/T1-Leitungen
TAE eigener Stecker Deutscher Telefonanschluss (F/N-Codierung)
GG45 RJ45-kompatibel, 4 Zusatzkontakte Cat7/7a nach Norm
TERA eigene Bauform Cat7/7a nach Norm

Achtung: Ein RJ11-Stecker passt mechanisch in eine RJ45-Buchse, kann die äußeren Kontakte aber verbiegen.

Keystone-Module

Einzelne Buchsen-Module im Normformat, die in Dosen, Patchfelder oder Unterputzrahmen eingeklipst werden. Sehr flexibel, weil man einzelne Ports tauschen oder mischen kann (z. B. RJ45, Glasfaser, HDMI, Koax in einem Feld).


9. Belegung: T568A, T568B, Crossover

Die 4 Paare

Paar Farben
Paar 1 blau / weiß-blau
Paar 2 orange / weiß-orange
Paar 3 grün / weiß-grün
Paar 4 braun / weiß-braun

Belegung nach T568A und T568B

Pin T568A T568B Signal bei 10/100 Mbit/s
1 weiß-grün weiß-orange TX+ (Senden)
2 grün orange TX− (Senden)
3 weiß-orange weiß-grün RX+ (Empfangen)
4 blau blau ungenutzt
5 weiß-blau weiß-blau ungenutzt
6 orange grün RX− (Empfangen)
7 weiß-braun weiß-braun ungenutzt
8 braun braun ungenutzt

Ab 1 Gbit/s werden alle Pins in beide Richtungen genutzt.

Pin-Zählung: Stecker mit der Rastnase nach unten und den Kontakten zu dir, dann ist Pin 1 links.

Unterschied: Bei T568A und T568B sind nur die Paare orange und grün vertauscht.

Welche nehmen?

  • Funktional sind beide gleichwertig.
  • T568B ist bei fertigen Patchkabeln weit verbreitet.
  • T568A ist laut Norm für Neuinstallationen bevorzugt und in Deutschland bei Dosen häufig.
  • Das Einzige, was zählt: Innerhalb einer Installation einheitlich bleiben und beide Enden gleich auflegen.
  • Auf Dosen und Patchfeldern sind meistens beide Farbschemata aufgedruckt (A und B). Einfach eines wählen und konsequent durchziehen.

Kabeltypen nach Belegung

Typ Belegung Verwendung
1:1 / Straight-Through / Patchkabel beide Seiten gleich (A–A oder B–B) Standard für alles
Crossover eine Seite A, andere Seite B Früher für PC ↔ PC oder Switch ↔ Switch. Heute dank Auto-MDI-X fast überflüssig
Gigabit-Crossover alle 4 Paare gekreuzt sehr selten
Rollover / Konsolenkabel Pins komplett gespiegelt (1↔8, 2↔7 …) Konsolenzugang zu Routern/Switches (z. B. Cisco), meist hellblau und flach

Auto-MDI-X: Praktisch alle modernen Netzwerkgeräte erkennen automatisch, ob gekreuzt werden muss, und machen das intern. Bei Gigabit ist es sogar Pflicht.


10. Haben Farben eine Bedeutung?

Mantelfarbe: Keine genormte Bedeutung

Die Farbe des Kabelmantels sagt nichts über die Qualität oder den Typ aus. Ein graues Kabel kann Cat5e oder Cat8 sein.

Typische Gewohnheiten (keine Norm): Farbe Häufige Verwendung
Grau Klassischer Standard, besonders in Europa
Blau Standard, sehr verbreitet
Gelb PoE, Uplinks, Kameras, oder einfach Cat7-Verlegekabel (sehr verbreitet bei Verlegekabel in Deutschland)
Rot Kritische Verbindungen, Firewall, früher oft Crossover
Grün Telefonie / VoIP, Management
Orange Glasfaser-Optik (bei LWL), bei Kupfer frei
Schwarz Outdoor (UV-beständiger PE-Mantel)
Weiß Sichtbare Verlegung im Wohnbereich
Violett Bei Verlegekabel häufig für LSZH/halogenfrei, z. B. Cat7

Empfehlung: Ein eigenes Farbschema festlegen (z. B. Grau = Clients, Gelb = PoE, Rot = Firewall/WAN, Grün = Management) und dokumentieren. Spart viel Zeit bei der Fehlersuche.

TIA-606: Farben für Abschlussbereiche

Die Norm ANSI/TIA-606 (Administration/Kennzeichnung) definiert Farben für Beschriftungen von Anschlussbereichen, nicht für Kabel selbst. Manche Firmen übernehmen das Schema trotzdem für Kabel:

Farbe Bereich
Orange Übergabepunkt (Demarkation, Provider)
Grün Netzwerkverbindungen (Kundenseite)
Violett Gemeinsame Geräte (Server, PBX, LAN-Hardware)
Weiß Primärer Backbone (erste Ebene)
Grau Sekundärer Backbone (zweite Ebene)
Blau Horizontale Verkabelung (zum Arbeitsplatz)
Braun Backbone zwischen Gebäuden
Gelb Hilfsdienste, Alarm, Sicherheit, Wartung
Rot Spezielle Telefonsysteme

Aderfarben: Genormt!

Die Farben der Adern sind fest definiert (orange, grün, blau, braun mit jeweiligem weißen Partner), siehe Belegung.

Hinweis: Bei manchen Kabeln (besonders älteren oder nach anderen Normen wie DIN/IEC) sind die Partneradern nicht weiß gestreift, sondern einfarbig weiß oder es gibt abweichende Farbschemata, z. B. bei Industriekabeln für PROFINET (4-adrig: gelb, weiß, orange, blau).


11. Power over Ethernet (PoE)

PoE überträgt Strom über das Netzwerkkabel, z. B. für Access Points, IP-Kameras, VoIP-Telefone.

Standard IEEE Name Leistung am Switch (PSE) Leistung am Gerät (PD) Genutzte Paare
PoE 802.3af (2003) Typ 1 15,4 W 12,95 W 2
PoE+ 802.3at (2009) Typ 2 30 W 25,5 W 2
PoE++ / 4PPoE 802.3bt (2018) Typ 3 60 W 51 W 4
PoE++ / 4PPoE 802.3bt (2018) Typ 4 90 W 71,3 W 4

Wichtig zu PoE:

  • Passives PoE (z. B. 24 V bei manchen Ubiquiti- oder MikroTik-Geräten) ist nicht genormt: Es liefert immer Strom, ohne Absprache mit dem Gerät. Nicht mit Standard-PoE-Geräten mischen, das kann Geräte beschädigen.
  • Normgerechtes PoE prüft vorher, ob das angeschlossene Gerät PoE versteht. Normale Geräte (PC, Laptop) nehmen dadurch keinen Schaden.
  • Bei hohen Leistungen werden die Kabel warm. Dickere Adern (AWG 23/24) und reines Kupfer sind dann wichtig. Große Kabelbündel mit PoE können sich aufheizen.
  • CCA-Kabel und PoE vertragen sich nicht (höherer Widerstand, Wärme, Brandgefahr).
  • Mindestens Cat5e, besser Cat6a.

12. Installation und Praxis

Längen

  • Maximal 100 m pro Strecke (Channel)
  • Davon maximal 90 m Verlegekabel (Permanent Link)
  • Plus maximal 10 m Patchkabel insgesamt
  • Lieber etwas Reserve lassen (ca. 0,5–1 m Schlaufe im Verteiler)

Biegeradius

  • Verlegt (ruhend): mindestens ca. 4× Kabeldurchmesser bei U/UTP, ca. 8× bei geschirmten Kabeln
  • Beim Einziehen: eher das Doppelte
  • Keine Knicke! Ein geknicktes Kabel verliert dauerhaft Übertragungsqualität

Zugkraft

  • Maximal ca. 100 N (etwa 10 kg) beim Einziehen, Herstellerangaben beachten
  • Nicht an den Adern ziehen, sondern am Mantel bzw. mit Einziehhilfe

Abstand zu Stromleitungen

  • Parallel verlegt nach Möglichkeit Abstand halten oder Trennsteg im Kabelkanal nutzen (Regelung in EN 50174-2, abhängig von Schirmung und Länge)
  • Kreuzungen im 90°-Winkel
  • Geschirmte Kabel brauchen weniger Abstand als ungeschirmte

Auflegen (LSA)

  • Verlegekabel wird auf Dosen, Patchfelder oder Keystones aufgelegt, meist mit LSA-Plus-Technik (Schneidklemmen)
  • Werkzeug: LSA-Anlegewerkzeug oder werkzeuglose Module
  • Verdrillung bis kurz vor die Klemme erhalten (max. ca. 13 mm aufgedrillt), sonst leidet die Qualität besonders bei Cat6a
  • Schirm großflächig auf die Schirmklemme auflegen

Sonstige Tipps

  • Klettbänder statt Kabelbinder: Zu fest gezogene Kabelbinder verformen die Kabel und verschlechtern die Werte
  • Leerrohre verlegen, dann kann man später nachrüsten oder tauschen
  • Beschriften! Beide Enden gleich (z. B. „Büro-1“ an Dose und Patchfeld)
  • Dokumentieren: Welche Dose geht auf welchen Patchfeld-Port
  • Doppeldosen sind fast immer sinnvoll, der zweite Port wird garantiert irgendwann gebraucht
  • Bei Neubau großzügig planen: Fernseher, Arbeitsplatz, Decke (für Access Points), Außenbereich (für Kameras)

Verkabelungsstruktur (strukturierte Verkabelung)

[Router/Switch] ── Patchkabel ── [Patchfeld] ═══ Verlegekabel (Wand) ═══ [Netzwerkdose] ── Patchkabel ── [Gerät]
                     ≤ 10 m gesamt Patch              ≤ 90 m

13. Messen und Testen

Gerät Kann Preis
Einfacher Kabeltester Durchgang, Verdrahtungsfehler (vertauscht, unterbrochen, Kurzschluss) ab ca. 10 €
Qualifizierungstester Prüft, ob eine Strecke z. B. Gigabit oder 10 Gbit/s schafft mehrere Hundert bis Tausend €
Zertifizierungstester (z. B. Fluke DSX) Misst alle Normwerte (NEXT, Return Loss, Dämpfung …), erstellt Prüfprotokoll nach Kategorie/Klasse mehrere Tausend €

Typische Fehler:

  • Split Pair: Durchgang stimmt, aber Adern aus verschiedenen Paaren vertauscht. Einfache Tester erkennen das oft nicht. Läuft dann nicht oder nur langsam
  • Vertauschte Adern / Reversed Pair
  • Offene Ader (Unterbrechung)
  • Kurzschluss
  • Zu lang aufgedrillte Paare am Anschluss

Permanent Link vs. Channel:

  • Permanent Link: Nur die feste Strecke (Patchfeld bis Dose)
  • Channel: Die komplette Strecke inklusive Patchkabeln

14. Vorgänger: Koaxial-Ethernet

Vor Twisted Pair lief Ethernet über Koaxialkabel. Nicht RJ45, aber der Vollständigkeit halber:

Standard Spitzname Kabel Stecker Max. Länge Datenrate
10BASE5 Thick Ethernet, „Yellow Cable“ dickes Koax (RG-8), gelb Vampirklemme + AUI 500 m 10 Mbit/s
10BASE2 Thin Ethernet, Cheapernet dünnes Koax (RG-58) BNC mit T-Stück + Abschlusswiderstand 185 m 10 Mbit/s

Alle Geräte hingen an einem gemeinsamen Kabel (Bus). Fiel ein Stecker ab, war das ganze Netz tot. Twisted Pair mit Stern-Topologie (über Hubs, später Switches) hat das ab den 1990ern abgelöst.


15. Glossar

Begriff Erklärung
AWG American Wire Gauge, Maß für den Aderdurchmesser (kleiner = dicker)
Alien Crosstalk (AXT) Übersprechen zwischen benachbarten Kabeln, relevant ab 10 Gbit/s
Auto-MDI-X Automatische Erkennung, ob Sende- und Empfangsleitungen gekreuzt werden müssen
Channel Komplette Übertragungsstrecke inklusive Patchkabel
CPR Construction Products Regulation, EU-Bauproduktenverordnung (Brandschutzklassen)
Dämpfung / Insertion Loss Signalverlust über die Kabellänge
FEXT Far-End Crosstalk, Übersprechen am entfernten Ende
Keystone Genormtes Einzelbuchsen-Modul zum Einklipsen
LSA „Löt-, Schraub-, Abisolierfrei“, Schneidklemmtechnik zum Auflegen
LSZH / LSOH Low Smoke Zero Halogen, halogenfreier, raucharmer Mantel
NEXT Near-End Crosstalk, Übersprechen am nahen Ende (wichtigster Messwert)
Patchfeld Verteilerfeld im Schrank, auf dem das Verlegekabel endet
Permanent Link Feste Strecke ohne Patchkabel
PoE Power over Ethernet, Strom über das Netzwerkkabel
PSE / PD Power Sourcing Equipment (liefert Strom, z. B. Switch) / Powered Device (nimmt Strom, z. B. Kamera)
Return Loss Rückflussdämpfung, wie viel Signal durch Impedanzfehler zurückgeworfen wird
Schlaglänge Länge einer vollen Verdrillung eines Aderpaares
Spline / Kreuzsteg Kunststoffkreuz im Kabel, das die Paare trennt (oft bei Cat6)
Split Pair Verdrahtungsfehler, bei dem Adern aus unterschiedlichen Paaren kombiniert sind
Twisted Pair Verdrillte Aderpaare

16. Kaufempfehlungen

Patchkabel

  • Cat6a, U/UTP oder S/FTP, reines Kupfer
  • Für kurze Wege zu Hause reicht auch Cat5e oder Cat6
  • „Cat7“- und „Cat8“-Patchkabel mit RJ45 bringen in der Praxis nichts, solange Dosen und Switch nicht mithalten. Sie sind oft dicker und steifer
  • Auf Knickschutz und gute Stecker achten
  • Für volle Serverschränke: Slim-Kabel (aber nicht für lange Strecken oder viel PoE)

Festinstallation (Neubau / Renovierung)

  • Verlegekabel: Cat7 oder Cat7a, S/FTP, AWG 23 oder 22, LSZH, mindestens CPR-Klasse Eca
  • Dosen, Patchfeld, Keystones: Cat6a, geschirmt
  • Leerrohre mitverlegen
  • Lieber ein Kabel zu viel als zu wenig, Doppeldosen nutzen
  • Zukunftsgedanke: Für sehr hohe Bandbreiten oder lange Strecken zwischen Gebäuden zusätzlich Glasfaser einplanen

Outdoor

  • PE-Mantel (UV-beständig, meist schwarz), bei Erdverlegung Erdkabel oder im Leerrohr
  • Zwischen Gebäuden wegen Potenzialunterschieden und Blitzgefahr lieber Glasfaser, oder zumindest Überspannungsschutz

Finger weg

  • ❌ CCA-Kabel (kupferkaschiertes Aluminium)
  • ❌ Flachkabel für dauerhafte oder lange Verbindungen
  • ❌ Selbst gecrimpte Stecker auf Verlegekabel (außer mit passenden, feldkonfektionierbaren Steckern)
  • ❌ Mix aus T568A und T568B in einer Installation
  • ❌ Passives PoE mit Standard-PoE-Geräten mischen

Schnellübersicht

Ich will … Dann nimm …
Laptop mit Router verbinden Cat6a-Patchkabel (Cat5e reicht auch)
10 Gbit/s im Heimnetz Cat6a durchgehend (Kabel, Dosen, Patchkabel)
Haus neu verkabeln Cat7 S/FTP Verlegekabel + Cat6a-Dosen
IP-Kamera draußen Outdoor-Kabel mit PE-Mantel, PoE-fähig, reines Kupfer
Volles Rack ordentlich Slim-Patchkabel, kurz, farbcodiert
Zwei Gebäude verbinden Glasfaser 😉

Stand: Oktober 2026. Normen ändern sich gelegentlich; bei professionellen Installationen immer die aktuellen Fassungen von ISO/IEC 11801, EN 50173, EN 50174 und TIA-568 bzw. die Herstellerangaben beachten.